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«Ich bin ein technischer Banause»

In conversation with Walter Andreas Müller

Walter Andreas Müller (WAM) parodiert für den Managed Database Service von Trivadis und Swisscom den Kult-Werbespot der Fischer Bettwarenfabrik. Welche Herausforderung diese Rolle darstellte und was ihn in Sachen Technik zur Weissglut treibt, verrät er im Interview.

Mit Walter Andreas Müller sprach Oliver Bosse

Herr Müller, Sie sind der Meister der Parodien. Ihre Darstellungen von Christoph Blocher oder Moritz Leuenberger sind weit über die Schweiz hinaus Kult. Für die Kampagne von Trivadis war nun Ernst Fischer von der Fischer Bettwarenfabrik gefragt. Was machte für Sie den Reiz der Rolle aus? Oder anders gefragt: Was hat Sie dazu bewogen, mitzumachen?
Ich bin grundsätzlich ein neugieriger Zeitgenosse und liebe neue Herausforderungen. „Fischer“ war natürlich schon lange auf meiner Liste, und dass ich in diesem Fall die Chance erhalten habe, ihn für Trivadis zu spielen, war ein Glücksfall.

Sie bereiten sich bekanntlich akribisch auf eine Rolle vor, studieren Sprache, Mimik, Gestik der Person, die Sie parodieren wollen. Wie sah diese Vorbereitung im Falle von Ernst Fischer aus?
Grundsätzlich wie bei allen „Opfern“. Videos studieren, Dialekt kontrollieren und Gestik studieren. Und dann schliesslich äusserliche Merkmale feststellen. Kleidung, Accessoires (Brille, Uhr, Schmuck etc.).

Wo liegt diese Rolle auf der Schwierigkeitsskala von 1-10? Auch im Vergleich zu Blocher oder Leuenberger?
Ich würde mal sagen, so bei „7“. – Blocher war ein ausgesprochener Glücksfall, weil er mir auch physiognomisch und dialektisch praktisch in den Schoss gefallen ist, und Moritz Leuenberger war dank seiner sehr ausgeprägten Haltung, Sprache und Gestik ebenfalls ein Glücksfall, der mir wenig Mühe gemacht hat.

Der Auftritt von Ernst Fischer im Werbespot wirkt an sich schon wie eine Parodie. Wie gelang es Ihnen da, Ihre eigene Handschrift einzubringen?
Das stimmt. Deshalb reizt er ja auch die unterschiedlichsten „Parodisten“ zum nachahmen. Mein Ziel in diesem Fall für Trivadis war, Fischer sofort erkennbar zu machen, und gleichzeitig zu zeigen, dass es WAM ist, der ihn parodiert.

Mein Ziel in diesem Fall für Trivadis war, Fischer sofort erkennbar zu machen, und gleichzeitig zu zeigen, dass es WAM ist, der ihn parodiert.

Der bekannte Fischer-Werbespot wurde schon mehrfach nachgestellt. Für den Laien ist es wohl in erster Linie die monotone Art im sonst eher euphorischen Werbe-Setting, das ihn so speziell macht. Wie sieht das Ihr geschultes Auge?
Ich sehe es als „Gesamtpaket“. Sein monotoner, statischer Auftritt war damals ein absolutes Novum in der hektischen, marktschreierischen Spot-Landschaft. Da war einfach plötzlich jemand, der (ohne Brimborium und Tra-raa) sein Produkt verkaufen wollte, und das hat beim Fernsehpublikum voll eingeschlagen.

War die Ernst-Fischer-Parodie eine einmalige Sache – oder wird er in Ihrem Repertoire nun fest verankert?
Nein, nein! Ich denke, das soll eine einmalige, exklusive Sache bleiben! Solche Auftritte laufen oftmals Gefahr, zum „Overkill“ zu werden. Ich möchte nicht, dass nun andere Firmen kommen, und mich ebenfalls als „Fischer“ haben wollen. So macht man sich letztlich unglaubwürdig.

Im September feiern Sie Ihren 76. Geburtstag, sind aber aktiv wie eh und je. Ist der Ruhestand überhaupt ein Thema für Sie? Oder ist es doch eher der „Unruhestand“, der sie beschäftigt?
Manchmal überlege ich schon, kürzer zu treten. Aber wenn halt spannende Aufgaben (wie diese!) auf mich zukommen, dann kann ich nicht NEIN sagen!

Schauen wir also statt in die Vergangenheit weiter in die Zukunft. Was für eine Rolle würden Sie sich vor Karriereende noch wünschen?
Ich sage oft, dass eine schöne (grössere) Filmrolle noch in mein vielfältiges Repertoire passen würde. Das fehlt mir noch. Anderseits kann ich damit leben. Ich habe so viele, unterschiedliche Dinge in meinem Leben gemacht, dass mich das letztlich nicht mehr gross beschäftigt.

Ich bin froh, wenn mein Mobile und mein Mac funktionieren und bin am Anschlag, wenn dem nicht so ist! Da kann ich mich bis zur Weissglut nerven und ärgern.

In einem Interview bezeichnen Sie sich selbst auch als Gummi- und 0815-Gesicht. In Zeiten von Deep Fakes kann man sich ja zumindest im multimedialen Umfeld jedes beliebige Gesicht aufsetzen. Mit welchem würden Sie gerne hausieren gehen?
Das ist nun wirklich eine schwierige Frage! Ich hasse diese Fake-Mentalität und möchte mich da eigentlich raushalten. Ich schätze ein ehrliches, hausgemachtes und erarbeitetes Resultat – wenn ich die Frage richtig verstanden habe.

Bleiben wir beim Thema Technologie. Im Spot von Trivadis sprechen Sie von Rechenzentren, Datenbanken und der Cloud. Ihre Rolle scheint diesbezüglich sehr kompetent zu sein – aber wie technikaffin sind Sie selbst? Was piept, blinkt oder läuft in Sachen Technologien bei Ihnen privat?
Haha! Überhaupt nicht! Ich bin ein absoluter, technischer Banause. Ich bin froh, wenn mein Mobile und mein Mac funktionieren und bin am Anschlag, wenn dem nicht so ist! Da kann ich mich bis zur Weissglut nerven und ärgern.

In Ihren Anfängen war es noch nicht möglich, über das Internet und Kanäle wie YouTube, Instagram oder TikTok berühmt zu werden. Influencer oder YouTube-Star – wäre das was, mit dem sich der junge Walter Andreas Müller auch hätte identifizieren können?
Wenn ich damit aufgewachsen wäre, hätten mich die Zusammenhänge vermutlich schon interessiert. Aber weder Influencer noch YouTube-Star wären für mich erstrebenswert.

Sie sagen auch über sich, Sie seien nicht kritikfähig. Ist da das Internet, wo praktisch alle überall und zu allem einen Kommentar abgeben können, eine unheilvolle Welt für Sie?
Ich versuche mindestens, so gut wie möglich, mich fernzuhalten. Natürlich kann man Kritik nicht vermeiden. Sofern sie konstruktiv ist, habe ich kein Problem damit. Aber oftmals sind durch diese einfachen Möglichkeiten der Internet-Kritiken primitiv und vorschnell verfasst, und das ärgert.

Damit zusammenhängend: Was für Reaktionen wünschen Sie sich für den Spot von Trivadis?
Hoffentlich nur positive! Dass sich die Betrachter freuen an dieser Gegenüberstellung Fischer-Trivadis-Swisscom, und den Schalk verstehen!

Zum Schluss: Welche Frage würden Sie gerne mal beantworten, wurde Ihnen aber noch nie
gestellt?

Ist es Ihnen noch nie verleidet, immer wieder Menschen zu parodieren?

Und wie lautet die Antwort?
Nein! Solange es „Opfer“ sind, die ich mit Überzeugung und Freude spielen kann – immer wieder gerne!

 

Hier geht's zum Video!

Zur Person

Walter Andreas Müller - kurz WAM - ist ein begnadeter Parodist, Kabarettist und einer der bekanntesten Schauspieler der Schweiz. Es ist bekannt aus unzähligen Theaterproduktionen, Film und Fernsehen. Insbesondere in seiner Rolle als Hans Meier in der bis 1999 jeweils am Freitagabend im Schweizer Fernsehen ausgestrahlten Erfolgsserie "Fascht e Familie" kennt ihn das ganze Land. Auch WAM's-Stimme ist landesweit bekannt. Er ist die Hörspiel-Stimme von Globi, der erfolgreichsten Kinderbuch-Figur der Schweiz.

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