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Grosser Kreis oder stilles Kämmerlein?

Key Visual Tech Talk

Workshops sind heute in der Arbeitswelt weit verbreitet. Das gemeinsame Bearbeiten von Aufgabenstellungen gilt als Königsweg, um komplexe Probleme zu lösen. Um die besten Ergebnisse zu erreichen, müssen sich Gruppenarbeit und konzentrierte Einzelarbeit abwechseln. Denn Gruppenarbeiten haben neben vielen Vorteilen auch eine Reihe an Nachteilen, die nicht vernachlässigt werden dürfen.


von Tobias Bregy

Ein grosser Vorteil von Gruppenarbeiten ist der Einbezug von Menschen und die damit verbundene höhere Wahrscheinlichkeit, dass die erarbeitete Lösung akzeptiert und mitgetragen wird. Lösungen, die im stillen Kämmerchen entwickelt worden sind, sehen sich in der späteren Umsetzung oft Schwierigkeiten gegenüber.

Zudem leben gute Innovationsprozesse von den Reibungen und der gegenseitigen Inspiration innerhalb einer Gruppe. Die kritische Auseinandersetzung mit einer Idee bringt oftmals neue Einfälle ans Licht. Das Einbinden vieler verschiedener Perspektiven führt insgesamt zu besseren Lösungen.

Wie schon angedeutet, kann die Zusammenarbeit von Menschen aber auch negative Effekte haben. So entstehen zum Beispiel soziale Phänomene wie Uniformitätsdruck, Gruppendenken oder Ineffizienz.

Kommt dazu, dass Kreativität etwas sehr Individuelles ist: Jeder Mensch hat seine eigenen Erfahrungen, Gewohnheiten, Vorlieben, Stärken und Schwächen. Während extrovertierte Menschen Reize der Aussenwelt wie die Luft zum Atmen brauchen und unter vielen quirligen Kollegen aufblühen, ist das für Introvertierte eher eine Belastung. Sie sind leichter überstimuliert und reagieren sensibler auf Reize. Um gemeinsam die beste Idee zu finden, müssen gruppendynamische Prozesse berücksichtigt und geeignete Massnahmen getroffen werden.

Zudem muss je nach Frage- oder Problemstellung beurteilt werden, ob Einzelpersonen nicht bessere Ergebnisse liefern würden als die Gruppe.

 


Gruppenarbeit lohnt sich, wenn es Teamarbeit ist

Insbesondere beim Design Thinking hat die Gruppenarbeit neben der konzentrierten Einzelarbeit eine zentrale Rolle.
Oftmals wird das Workshop-Format gewählt, das einen intensiven Austausch zwischen den Teammitgliedern fördern soll. Dieser stärkt das Gemeinschaftsgefühl und die Entwicklung einer einheitlichen Sprache, Vorgehensweise und Kultur im Team.

Ziel eines Workshops kann es sein, ein gemeinsames Verständnis der Aufgabe zu entwickeln, die Endnutzer genauer zu charakterisieren sowie die Ergebnisse von Beobachtungen und Umfragen oder Ideen zu sammeln.

Im Idealfall kommen viele verschiedene Perspektiven zusammen und es entsteht eine konstruktive Auseinandersetzung mit einer hohen Anzahl an Möglichkeiten, die zu guten Lösungen führt. Diese ganzheitliche Betrachtung verschiedener Aspekte fehlt oftmals bei der Einzelarbeit im stillen Kämmerchen.

Eine respektvolle Diskussion über unterschiedliche Meinungen und das gemeinsame Hinterfragen und Verknüpfen derjenigen kann zu kreativen Ergebnissen führen.

Weitere Vorteile von Gruppenarbeit sind:

  • Grösseres Wissenspotential durch unterschiedliche Fähigkeiten der Gruppenmitglieder
  • Weniger Fehler bei den Ergebnissen
  • Informationsaustausch und Lerneffekt
  • Höhere Sicherheit, dass die Arbeit fortgesetzt wird, wenn ein Mitarbeiter ausfällt
  • Sicherheit durch ein «Wir-Gefühl»
  • Schwache Mitglieder werden durch die Gruppe aufgefangen.
  • Mehr Spass bei der Arbeit (bei gut funktionierenden Teams)

Die Rolle von Gruppenprozessen

Menschen üben oft unbemerkt, aber sehr wirkungsvoll, sozialen Einfluss aufeinander aus. Solche Gruppenprozesse wirken sich auf die Ergebnisse von Gruppenarbeiten aus.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Menschen, die von anderen umgeben sind, bessere Leistungen bei einfachen und gut eingeübten Aufgaben erbringen. Bei komplexen Aufgaben oder solchen, die das Erlernen von etwas Neuem erfordern, schneiden sie hingegen schlechter ab.

Damit eine Gruppe erfolgreicher als Individuen ist, müssen u.a. folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Die Gruppe verlässt sich auf die Person mit dem fundiertesten Fachwissen.
  • Das kompetenteste Mitglied kann die anderen von seiner Ansicht überzeugen.
  • Die Gruppe ist motiviert, nach der Antwort zu suchen, die am besten für die gesamte Gruppe ist und nicht nur für ein Individuum selbst.

Die Gesamtleistung einer Gruppe sinkt, wenn z.B. sehr dominante und überzeugte Gruppenmitglieder den anderen ihre Ideen aufzwingen wollen und sich niemand traut zu widersprechen – trotz der mangelnden Qualität dieser Ideen.

«Der Zusammenhang zwischen der besten Rede und dem besten Vorschlag ist gleich null.»

Susan Cain, Autorin

Viele Teams ziehen es vor, harmonisch miteinander verbunden zu sein, anstatt sich konstruktiv zu reiben. Dies führt zu Teams, die sich gegenseitig mögen – aber auch zu einem Verlust an Kreativität. Die Aufrechterhaltung guter Beziehungen wird als wichtiger eingeschätzt als die Erarbeitung guter Lösungen.

In der Gruppe neigt man dazu, seine eigene Meinung derjenigen der anderen anzupassen und stellt Bedenken zurück. Mitglieder üben teilweise eine Selbstzensur aus, indem sie widersprüchliche Meinungen nicht äussern, um «den Laden nicht aufzumischen».
Gruppen sind oft ineffizient, weil viel Zeit und Energie für die Koordination der Arbeit aufgewendet werden. Vieles wäre schneller gelöst, wenn Einzelpersonen daran arbeiteten.

In den meisten Gruppen gibt es introvertierte Menschen, die lieber nachdenken, bevor sie reden oder handeln – und erst dann reden, wenn der Inhalt durch Reflexion geprüft ist. Oftmals verfügen diese Menschen über tiefes Spezialwissen zu bestimmten Dingen, das bei der Lösungssuche oder bei der Risikobeurteilung einen grossen Mehrwert liefern kann. Aufgabe des Moderators ist es, dieses Wissen durch ein geeignetes Format, mithilfe dessen sich auch stillere Menschen einbringen können, zu erschliessen.

Fazit:

Der goldene Mittelweg funktioniert am besten

Da Menschen verschiedene Persönlichkeitsstrukturen aufweisen, unterscheidet sich auch das Umfeld, in dem sie zu Höchstleistungen fähig sind.

Beim Sammeln von Ideen und Lösungsvorschlägen ist es wichtig, dass sich zunächst jedes Teammitglied für sich selbst – unbeeinflusst von anderen – Gedanken macht und eigene Ideen notiert, bzw. visualisiert. So entstehen sehr unterschiedliche Lösungsansätze, die anschliessend der ganzen Gruppe präsentiert werden können. Durch Einzelarbeiten kann das Expertenwissen von Teammitgliedern genutzt werden, welche sich bei Gruppenarbeiten unwohl fühlen und sich eher nicht zu Wort melden.

Damit sich die Lösungssuche für ein Problem erfolgreich gestaltet, müssen gruppendynamische Prozesse berücksichtigt und die Vor- und Nachteile von Gruppen- und Einzelarbeiten bewusst abgewogen werden.

Manchmal entsteht eine herausragende Idee dann, wenn sich eine Person ungestört mit einer Thematik auseinandersetzen kann und sich erst danach mit anderen austauscht. Um die verschiedenen Potenziale der Teammitglieder besser zu erschliessen, braucht es deshalb eine Kombination von Gruppenarbeiten und Zeit für fokussierte Einzelarbeiten.

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