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Nutzer-zentrierte Visualisierungen: Wie und warum

Visuelle Darstellungen machen Daten verständlich und nutzbar. Weil aber jede/r Nutzer*in Daten für einen anderen Zweck gebraucht, ist es wichtig, Daten-Visualisierungen auf deren Bedürfnisse anzupassen. Wie das geht und welchen Business-Nutzen es bringt, zeige ich dir in diesem Artikel.


von Mario Giudici

Daten beziehungsweise die Informationen, die sie beinhalten, sind in verschiedensten Business-Bereichen die Grundlage für Arbeits- und Entscheidungsprozesse. Um Rohdaten überhaupt erst in verständliche Informationen zu verwandeln, werden gern Visualisierungen zu Hilfe genommen. Dabei stellt man Daten mithilfe visueller Elemente wie Diagramme, Graphen und Karten so dar, dass man leicht Zusammenhänge, Ausreisser und Muster in den Daten erkennen und verstehen kann.

Die geeignetste Darstellungsart von Daten hängt vor allem davon ab, welche Informationen Nutzer*innen daraus ablesen und wofür sie diese verwenden möchten. Stellen wir uns beispielhalber verschiedene Mitarbeitende in einem Krankenhaus vor:

  • Ein Radiologe hat die Aufgabe, gesundheitliche Probleme, wie etwa einen Tumor zu erkennen. Dafür braucht er einen zweidimensionalen MRT-Scan: Der Radiologe ist geübt darin, einen solchen zu analysieren und zu beurteilen.
  • Der Hausarzt braucht indes eine andere Art der Visualisierung. Er soll der Tumorpatientin, einer medizinischen Laien zeigen, wo genau das Problem liegt. Dafür benötigt er ein möglichst einfach zugängliches Bild, welches gerade soviele Informationen beinhaltet, wie die Patientin braucht.
  • Und dann gibt es da noch die Chirurgin, die den Tumor schliesslich entfernen soll. Sie hätte dieselben Daten gerne dreidimensional, um den Tumor und seine Lage von allen Seiten studieren und die Operation entsprechend planen zu können.

Wie in obigem Beispiel ersichtlich müssen dieselben Daten auf verschiedene Weise visuell aufbereitet werden – als MRT-Scan, als 3D-Modell und als einfach verständliche Abbildung.

Doch wie findet man heraus, welche Visualisierungs-Art Nutzer*innen in einem spezifischen Fall brauchen? Und welchen Business-Nutzen bringt es, in diesem Kontext auf Nutzerfreundlichkeit zu achten? Finden wir es gemeinsam heraus.

Wie erstellt man nutzer-zentrierte Visualisierungen?

Egal in welchem Kontext: Um herauszufinden, wie ein Produkt oder eine Dienstleistung am besten die Anforderungen der Nutzer*innen erfüllt, betreibt man Nutzerforschung – so auch bei der Entwicklung von Visualisierungen. Diese kann insbesondere auf zwei Arten in den Enwicklungsprozess integriert werden.

1. Anfängliche Überlegungen zu Nutzerbedürfnissen

Im Idealfall wird die Nutzerforschung gleich zu Beginn gemacht. So kann man von vorneherein sicherstellen, dass das Ergebnis für die Nutzer*innen relevant sein wird. Die Anforderungen und Bedürfnisse der Nutzer*innen ermittelt man etwa mit den folgenden Fragen:

  • Wer genau nutzt die Daten?
  • Bei welchen Frage- oder Problemstellungen sollen die Daten helfen?
  • Welche Fähigkeit im Umgang mit Daten haben die Nutzer*innen?
  • Welche Erfahrungen haben sie mit den Daten (die nun visualisiert werden sollen) in der Vergangenheit gemacht?
  • Wie arbeiten sie damit? Und was brauchen sie dafür, um diese Arbeit noch effizienter durchführen zu können?

Die Antworten auf diese Fragen liefern die Grundlage für die weitere Entwicklung einer Visualisierung.


2. Protoyp von Nutzer*innen bewerten lassen

Man kann nutzerzentrierte Überlegungen allerdings auch während des Entwicklungs-Prozesses einer Visualisierung einbeziehen und diese damit laufend verbessern. Etwa indem man frühzeitig einen Prototypen erstellt, und diesen von Nutzer*innen bewerten (oder evaluieren) lässt. Das hat den Vorteil, dass mögliche Probleme bereits in einer frühen Phase des Projekts erkannt werden. Dadurch spart man sowohl Kosten als auch andere Ressourcen.

Bei einer sogenannten Evaluation ist es wichtig, mit den Nutzer*innen zusammenzuarbeiten. Sie können Feedback zu den folgenden zentralen Punkten geben:

  • Funktionalität: Beinhaltet die Visualisierung alle Informationen und Funktionalitäten, welche die Nutzer*innen brauchen?
    In Bezug auf obiges Beispiel: Gibt es bei der Visualisierung für die Chirurgin die gewünschte 3D-Ansicht?
  • Benutzerfreundlichkeit: Entspricht die Visualisierung dem Mass an graphischem Verständnis der Nutzer*innen? Sind alle Informationen gut erkennbar und unmissverständlich dargestellt?
    In Bezug auf obiges Beispiel: Sind die Farben von „normalem“ Gewebe und Tumor-Zellen genug unterschiedlich, dass der Radiologe letztere gut erkennen kann?
  • Verbesserungs-Potenzial: Auf welche Probleme sind Nutzer*innen bei der Verwendung der Visualisierung gestossen?
    In Bezug auf obiges Beispiel: Meldet der Hausarzt, dass seine Patientin die Begriffe, die in der Visualisierung verwendet werden, nicht verstand?

Ein Visualisierungs-Team kann die Nutzer*innen also bereits zu Beginn aber auch während des Entwicklungsprozesses miteinbeziehen. Wenn eine Visualisierung mit den Anforderungen und Bedürfnissen derjenigen, die davon Gebrauch machen werden, übereinstimmt, bringt das einen nicht zu unterschätzenden Business-Nutzen.

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Was bringen nutzer-zentrierte Visualisierungen dem Business?

Ob man nun Visualisierungen für medizinische Mitarbeitende in einem Krankenhaus, für Kund*innen auf einer Online-Shopping-Seite oder für andere Nutzergruppen erstellt – je besser sie auf deren Anforderungen und Bedürfnisse zugeschnitten sind, desto besser ist die Erfahrung der Nutzer*innen (User Experience) damit.

Eine positive User Experience hat wiederum in verschiedenen Bereichen einen handfesten Business-Nutzen. Kommen Kund*innen mit den von einem Unternehmen verwendeten Visualisierungen in Kontakt, erhöht eine grössere Nutzerfreundlichkeit die Chance, dass diese die Produkte oder Dienstleistungen des Unternehmens beziehen und diesem langfristig treu bleiben. Laut dem 2022 Trendreport der Software-Firma Zendesk wenden sich bis zu 61 % der Kund*innen nach nur einer schlechten Erfahrung einem anderen Unternehmen zu.

Dasselbe kann auf die internen Anspruchsgruppen eines Unternehmens angewendet werden: Eine bessere User Experience sorgt unter anderem für produktivere und weniger frustrierte Mitarbeitende. Kehren wir für das Beispiel von nutzer-zentrierten Visualisierungen zu den anfangs erwähnten Krankenhaus-Mitarbeitenden zurück:

  • Der Radiologe ist dank des auf ihn zugeschnittenen MRT-Scans in der Lage, Tumore schnell und zuverlässig zu entdecken. Das verbessert nicht nur seine Effizienz und Zufriedenheit, sondern dank der hohen Erkennungs-Quote auch den Ruf des Krankenhauses.
  • Der Hausarzt kann mit dem einfach zugänglichen Bild des Tumors der Patientin ihren Gesundheitszustand auf verständliche Weise darlegen. Auch er spart damit Zeit und die Patientin macht eine gute Erfahrung in dieser Arztpraxis.
  • Die Chirurgin kann dank des 3D-Modells des Tumors eine erfolgreiche Operation vornehmen. Dies steigert nicht nur ihre Zufriedenheit, sondern auch die des ganzen Operationsteams und der Patientin. Dank der guten Vorbereitung werden auch Ressourcen in Form von Zeit gespart.

Fazit

Nutzer-zentrierte Visualisierungen können dafür sorgen, dass jede/r Nutzer*in genau den Mehrwert aus Rohdaten ziehen kann, den er oder sie braucht. Um das zu erreichen, sollte Nutzerforschung im Entwicklungsprozess von Visualisierungen von Anfang an eine wichtige Rolle spielen. Ausserdem ist es wertvoll, die Nutzer*innen bereits während der Entwicklung einzubeziehen, z. B. indem man schon früh einen Prototyp einer Visualisierung erstellt und die Nutzer*innen um Feedback dazu bittet.

Ob Visualisierungen für Kund*innen oder andere Anspruchsgruppen wie Mitarbeitende erstellt werden – deren Anforderungen und Bedürfnisse zu beachten, bringt konkrete Vorteile für das Business, wie höhere Kunden- oder Mitarbeiterzufriedenheit, einen besseren Ruf des Unternehmens und höhere Produktivität.

Wenn du wissen willst, wie genau der Entwicklungs-Ablauf einer nutzer-zentrierten Visualisierung aussieht, schreib mir.

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